Bitte nicht recyceln: Südstadt-Grüne lehnen Straßenbahnverlängerung durch die Sallstraße ab!

  • Veröffentlicht am: 25. Juni 2019 - 16:31
Sallstraße
Foto: Stefan Körner

Die Grünen im Stadtbezirk Südstadt-Bult lehnen die Vorschläge von SPD-Oberbürgermeister-Kandidat Marc Hansmann entschieden ab. "Vorschläge aus der Mottenkiste bringen Hannover nicht weiter!" sagt Stefan Körner, Stadtteilgruppensprecher von Bündnis 90/Die Grünen Südstadt-Bult. "Die Diskussion wurde in der Südstadt bereits vor 10 Jahren geführt. Durch die grundsätzliche Ablehnung von Niederflurbahnen hat die SPD inzwischen aber selber eine Verlängerung der Linie 10 durch die Sallstraße dauerhaft verbaut - eine Diskussion um Hochbahnsteige wie an der Limmerstraße brauchen wir in der Südstadt sicher nicht."

"Neuerliche Bauarbeiten wären außerdem Gift für die gerade erst vor wenigen Jahren für einen Betrag von zwei Millionen Euro aufgewertete Sallstraße. Eine eng getaktete Buslinie 121 mit modernen, möglichst umweltfreundlichen Elektro-Gelenkbussen, wie von der ÜSTRA bis 2023 auf der Linie 121 vorgesehen, ist die beste Lösung für die Sallstraße", so Ekkehard Meese, stellvertretender Fraktionsvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Bezirksrat Südstadt-Bult.



Hintergrund:

SPD-OB-Kandidat Marc Hansmann schreibt in seinem Internet-Auftritt unter "Hannover.Klimafreundlicher.Machen.": „Als Oberbürgermeister werde ich deswegen folgende Maßnahmen umsetzen: Wir fördern den öffentlichen Nahverkehr, indem wir die Linie 10 zum Bismarckbahnhof verlängern…..“

Grundsätzlich muss man dazu wissen: Verkehrspolitik ist eine Aufgabe der Region Hannover, nicht eines Oberbürgermeisters, der hier gar nichts selber umsetzen kann. Kennt Hansmann die Ebenen nicht?

Historie:

Im Jahre 2010 hat es eine umfängliche Diskussion um die D-Linie gegeben, diskutiert wurde u. a.:

Hochflur, Niederflur, Tunnel oder nicht, Streckenführung und Ende, Raschplatz oder auch Bismarckbahnhof.

Fürsprecherin für eine Verlängerung oberirdisch auf Niederflurhöhe war die damalige GRÜNEN-Regionsabgeordnete und verkehrspolitische Sprecherin, Meike Schümer, der Regionsverband der Grünen hatte sich für eine Befragung der Bevölkerung ausgesprochen. Die Stadtteilgruppe und auch der verkehrspolitischer Sprecher im Rat hatten diese Variante eher skeptisch gesehen. Auch in der Bevölkerung wurde die oberirdische Verlängerung kritisch gesehen. Inzwischen hat sich die Grundlage der Diskussion geändert, da die SPD durchgesetzt hat, die Linie 10 als Hochflurlinie zu führen. Eine Fortführung der Linie 10 würde daher bedeuten, mit Hochbahnsteigen weiterzuführen – auch durch die Sallstraße. Vorab müssten wahrscheinlich in der Berliner Allee im Mittelbereich diverse wertvolle Bäume gefällt werden – es sei denn, Marc Hansmann will auch eine beidseitige Reduzierung der Fahrspuren. Die Sallstraße ist im Jahr 2012/2013 im Abschnitt Marienstraße bis Kleine Düwelstraße für 2,0 Mio. € umgestaltet worden. Zu dieser Zeit war Marc Hansmann Kämmerer der Landeshauptstadt, er müsste also wissen, wofür er Geld eingeplant hatte.

Die beiden Bushaltestellen der Linie 121 Stolzestraße werden in 2019 mit 75 % des Landes und 12,5 % der Region barrierefrei umgestaltet (12,5 % bleiben da für die Stadt Hannover).

Stand heute:

Die Buslinie 121 von "Haltenhoffstraße bis "Altenbekener Damm" über Hauptbahnhof ist die am meisten frequentierte Linie in Hannover, daher ausschließlich mit Gelenkbussen betrieben. Sie fährt in der Regeln im 10 Minutentakt, morgens und mittags teilweise auch im 5-Minuten-Takt. Sie sichert damit eine gute verkehrliche Anbindung in relativ kurzen Takten, die ggfs. noch zu optimieren wären.

Es gibt von Marienstr. bis Sallplatz 4 Stationen:

  • Marienstr./Berliner Allee (Bezirk Mitte)
  • 350 m weiter Haltestelle Lutherstr.
  • 300 m weiter Haltestelle Stolzestr.
  • 350 m weiter Haltestelle St. Heinrich-Kirche (Sallplatz)

Bei Stadtbahnhaltestellen (Planungen von 2010) wäre von größeren Abständen auszugehen, da die stark frequentierte Haltestelle Lutherstraße wegfiele.

Was bedeutet der Hansmann Vorschlag:

Da inzwischen durch den Bau der Hochbahnsteige in der Kurt-Schumacher-Str. und Raschplatz-Endhaltestelle nur noch Hochflur infrage kommt, hätten wir die gleiche Situation wie in der Limmerstraße geplant: lange Hochbahnsteige, die die Straße zerschneiden und möglicherweise die Verbindung von die Sallstraße querenden Fahrradstraßen nicht mehr möglich machen. Im Bereich der südlichen Sallstraße und auch am Bertha-von-Suttner-Platz (Haltestelle Stresemannallee) müssten im Randbereich wertvolle, das Stadtbild prägende Bäume gefällt werden. Die ÜSTRA plant für die innenstadtnahen Buslinien, u. a. auch die Linie 121, die ausschließliche Bedienung mit E-Bussen bis ca. 2023. Eine Straßenbahn würde deutlich lauter als die aktuell eingesetzten Hybrid- und die für die Zukunft geplanten Elektrobusse. Der Straßenquerschnitt ist für eine Straßenbahn recht eng. Das würde implizieren: entweder Wegfall der Parkmöglichkeiten auf beiden Seiten oder kein motorisierter Individualverkehr (MIV) mehr in der Sallstraße. Die Folge wäre eine Verlagerung des MIV in die kleinen Nebenstraßen (oftmals Einbahnstraßen). Die Sallstraße ist als Hauptverkehrsstraße ausgewiesen in Nord-Süd-Richtung. Die Wohnbebauung ist dort in der Regel ca. 5-geschossig. Mit dem Wegfall einer Hauptverkehrsstraße würden andere Straßen deutlich mehr belastet, da eine verkehrliche Parallele zur Entlastung entfiele.

Interessant auch der Internet-Auftritt des SPD–Ortsvereins Südstadt-Bult unter "Arbeitsschwerpunkte", "Mobilität für alle" (Stand 25.06.2019): „Der öffentliche Personennahverkehr ist in unserem Stadtbezirk gut ausgebaut Deshalb sprechen wir uns klar für den Erhalt der kundenfreundlichen Buslinie 121 mit umweltfreundlicher Antriebstechnik (Hybridbusse) und gegen eine oberirdische Straßenbahn in der Sallstraße aus.“ offenbar ist der Vorschlag nicht mit den Parteifreund*innen vor Ort abgestimmt.

 

Fazit:

Der Vorschlag von Marc Hansmann ist unausgegoren, er entstammt einer überholten Debatte von vor knapp 10 Jahren und berücksichtigt viele Aspekte nicht, die sich in der Zwischenzeit geändert haben. Der Vorschlag gehört zurück in die Mottenkiste - ausnahmsweise bitte NICHT recyclen!

 

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